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Der Regen, das Fenster und die Serie.

Jenseits des Fensters regnet es seit Stunden. Die Blitze zeichnen die Welt dort draußen in monochrom. Ich liege hier auf dem Sofa und schaue eine unserer alten Lieblingsserien auf DVD.
Immer wieder drücke ich die Pause- oder Stummtaste, nur um dem Regen zu lauschen. Er klingt fantastisch an der Fensterscheibe. Ein glücklicher Moment, ich hab fast alles was ich brauche. Fast.

Unweigerlich muss ich an unsere frühen Jahre denken; damals, als wir noch dumm und glücklich waren. Als wir noch viel zu wenig von allem wussten: Damals, auf Deinem Sofa liegend, während der Sommerregen auf dem Dach tobte. Direkt über uns. Im Fernsehen lief irgendwas, vielleicht unsere Lieblingsserie.
Wie gerne wäre ich – so wohl ich mich auch gerade fühle – jetzt mit Dir dort, unterm Dach auf dem Sofa vorm Fernseher. Mit Dir.

Dein Bauch, mein Kissen.

»Halt mich fest,
ich glaub, ich brauch das jetzt.«
(-Tocotronic, “Nach Bahrenfeld im Bus”)

Wenn es kalt war – und das war es bei aller Schönfärberei und Vergangenheitsidealisierung  auch Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends immer wieder einmal -, wusste ich doch stets, wo mein Heimathafen, mein Safe Haven, war. Ich erinner mich noch – vollkommen ohne Lächeln auf den Lippen – gut genug an all die dunkelgrauen Stunden, in denen zwar nicht das übergroße Unheil auf mich einschlug, aber die Summe der widrigen einzelnen Kleinigkeiten schwer an meinem Herzen nagte.
Nicht reden müssen. Einfach auf dem Sofa liegen, mit Dir. Im Fernsehen lief irgendein Scheiß, der mich nicht interessierte, aber ich schaute eh nicht hin. Mein Haupt auf Deinem Bauch gebettet und Dein Pulli saugte die Tränen auf, während Deine Hand durch meine Haare strich. Nicht reden müssen. Nur daliegen, im Arm gehalten werden. Weinen, wenn es nicht mehr anders geht.
So war das damals. Mein Safe Haven.

Und jetzt? Kein Bauch, kein aufsaugender Pulli. Nur das beschissene Fernsehrprogramm ist geblieben.

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Treffen mit Kakao II: Praxis.

Ich ging durch die Tür, hob den Kopf und atmete tief ein. Es roch nach Frühling.
Es war Samstag, der heißersehnte Samstag. Im Vorfeld gab es allerlei Diskussionen über den Treffpunkt. Sie schlug McDonald’s vor, da gäbe es den besten Kakao. Nun ja, sie mag da eher diejenige mit dem Durchblick sein, dennoch hätte ich eine Location präferiert, in der man erst bestellt, dann genießt und zum Schluss zahlt. Da sie das McD beim Kino vorschlug, äußerte ich meine Bedenken bezüglich der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie schlug im Gegenzug vor, man könne sich aber auch in unserem kleinen Heimatdorf treffen, ein wenig spazieren gehen, wenn das Wetter dieses zuließe. Ein Heimspiel klang natürlich gut. Ein Spaziergang über all die Wege, die wir vor so vielen Jahren so oft gegangen sind…jedoch dachte ich da an meine eher lauffaule Tochter, so kam das nicht in Frage. Alternativ schlug ich ein anderes McD vor, im Bewusstsein, dass auch meine Tochter davon erfreut sein würde (die ja schon feiert, sobald der Name nur fällt).

Die Karre vor mich herschiebend kam ich (aufgrund der eher bescheidenen Fahrpläne) eine halbe Stunde zuvor beim “Restaurant” an, umrundete die Location zweimal, wobei ich einmal vor der großen Scheibe ein Rad verlor (verdammtes altes Ding, wird Zeit, dass es über den Jordan geschickt wird). Also hinhocken, das Ding wieder dranfriemeln und hoffen, dass sie noch nicht drin sitzt, mich sieht und sich königlich amüsiert.
Dann eintreten, bloß vorher da sein. Ein letztes Mal vorher auf Toilette, Deo und Duftwässerchen zücken. Haare sitzen, alles klar.
Natürlich stellte sich die verdammte Frage, die bereits Robin Tscherbatsky so treffend stellte: “Wie begrüßt man einen Exfreund (in diesem Fall: Exfreundin)? Umarmung ist zu vertraut, Händeschütteln zu distanziert.” Wir, meine Tochter und ich, gingen zweimal durch die Reihen, um sicherzugehen, dass sie noch nicht da war. Das Herz schlug fast schon schmerzhaft in der Brust. Ein Tisch wurde durch geschicktes Platzieren des Nachwuchses reserviert, der Höflichkeit entsprechend wurde nachgefragt, was die kleine Diva denn wolle (was wohl? HappyMeal mit Nuggets, Fanta und Pommes) und schon stellte ich mich in die Schlange. Es gab keinen Grund, mit der Bestellung auf sie zu warten, wenn sie ohnehin nur Kakao möchte, den es ja an der anderen Theke gibt. Während ich also schwitzend, bangend, zitternd in der Schlange stehe und ab und an Blicke zu meiner Tochter werfe, um mich zu vergewissern, dass sie keinen Unfug macht, höre ich von hinten eine Stimme: “Hey! Hab ich Dich doch gleich gefunden!” Ich zucke zusammen, schließe kurz die Augen, atme tief durch und drehe mich um. Dort, wenige Zentimeter vor mir, steht: Sie. Dort steht sie, schaut mir in die Augen und lächelt mich an. Zum allerersten Mal seit sieben Jahren.

Die Frage nach der Begrüßung erübrigte sich, als sie ihren rechten Arm um meinen Hals schlang, während sie auf dem linken ihre Tochter trug. “Hey, hallo!” und “Was möchtest Du haben?” Sie wolle einen Kakao, erklärte mir das auf meine unsichere Rückfrage mit den verschiedenen Sorten und Größen. Ich bat sie, sich schon mal hinzusetzen, ich würde mich darum kümmern. “Da hinten am Fenster, wo das Mädchen mit dem Hello Kitty Pulli sitzt und im Pixie-Buch liest.” Ob die Kleine nicht irritiert sein würde, wenn sie sich dazusetze. Ich konnte es ihr nicht beantworten, kommt auf einen Versuch an: “Sie wird eh nicht mit Dir reden. Wenn sie anfängt zu weinen, bring sie her. Ich hoffe, dass es hier endlich mal vorwärtsgeht…”
Endlich, mit einem vollbeladenen Tablett, kam ich zurück an den Tisch. Nein, die Kleine weinte nicht. Sie saß, wie erwartet, stumm da und betrachtet argwöhnisch die Frau, die sich mit dem Baby zu ihr an den Tisch gesetzt hat und nun versuchte, mit ihr ein “Gespräch” zu beginnen. Ich setzte mich dazu, die Getränke, HappyMeals und Veggieburger wurden verteilt. Und der Smalltalk begann.

Sie sah mich fragend an: “Bist Du etwa immer noch Vegetarier?” – “Ähm…klar…natürlich…” – “Aber Deine Tochter darf Fleisch essen?” – “Ja. Ich sehe da keinen Grund, ihr da etwas zu verbieten oder vorzuschreiben.” – “Mich hast Du immer versucht zu missionieren.” – “Ähm…okay, mein Gedächtnis ist nicht das Beste, das ist mir klar…aber das kann ich mir nicht vorstellen.” – “Klar…Du hast mir imemr wieder erzählt, wie schlecht Fleischessen ist…für die Umwelt…für die Entwicklungsländer…” – “Ja, okay…aber das ist ja kein Missionieren, das ist ein Blick auf die Realität. Außerdem…ach egal…”
“Richtig: Ach egal”, dachte ich mir, “lass es gut sein. Dummer Junge, halte einfach Deinen Mund.”
Man sprach über dieses und jenes, unwichtiges und interessantes. Ihre Familie, meine Familie, Beruf, Leben und der Stress mit den Kindern. Ihre Tochter machte brabbelnde Geräusche, meine Tochter nahm kaum Notiz von uns, während sie an ihren Pommes mümmelte und hier und da mit ihrem Spielzeug herumhantierte.
“Es ist schon komisch”, sagte sie, “dass wir beide jetzt hier sitzen und uns unterhalten…mit unseren Kindern.”
“Ja,” dachte ich mir, “in der Tat: Schon komisch. Doch ist es lustig komisch oder seltsam komisch? Ich glaube, von beidem ein wenig.”

Es war ein grandioses Treffen. Mein Herz schlug im Vorfeld schnell vor Aufregung, mein Herz schlug noch schneller, als sie vor mir stand und es verlangsamte sich das ganze Treffen über kein Stück. Wir saßen zweieinhalb Stunden da, lachten, redeten und ich hing an ihren Lippen. Sicher machte ich zeitweise einen unhöflichen Eindruck, weil ich beim Sprechen den Tisch anstarrte, doch in ihre Augen zu schauen verursachte mir immer wieder einen kleinen Stich. “Wir sind alt geworden!” dachte ich mir. Wie schön sie war, wenn sie sprach. Wie schön sie war, wenn sie schwieg. Wie schön sie war, wenn sie sich um ihre Tochter kümmerte. Wie schön sie war. Anmutig und unbeschreiblich. Schmerzlich stellte ich fest, dass mir klar ist – und immer klar war -, warum sie die Liebe meines Lebens ist (besser: war. oder doch besser: ist?). Sie ist eine Göttin, und auch die kleinen Fältchen in ihren Augenwinkeln werden das wohl nie ändern können. Ich war in diesen Stunden, so aufgeregt ich war, einfach nur: glücklich.
Es gab sovieles, was ich ihr gerne gesagt hätte (siehe: Treffen mit Kakao I), aber besser für mich behielt. Sie hat ihr Leben mit Höhen und Tiefen und ich gönne es ihr. Auch wenn sie mir fehlt. Auch wenn ich sie immer lieben werde. Auch wenn ich den Typen, der in diesen Stunden nicht einmal Thema war, hasse. Ich hasse ihn dafür, dass er hat, was mir fehlt.

Sie sah elegant aus, fast schon deplatziert in diesem Fastfood-Restaurant. Wir zogen vorübergehend mit den Kindern in die Spielecke um. Ich sah meiner Tochter beim Spielen zu, sie sah ihr beim Spielen zu. Ich sah ihr beim Zusehen zu.

Irgendwann verabschiedeten wir uns, sie musste nach Hause, bevor ihr Mann wieder zurückkommt. Natürlich wusste er nichts von dem Treffen (und hätte, wie sie mir im Vorfeld sagte, sicher beim Wissen eine ordentliche Szene gemacht). Eine Umarmung und fehlende Worte beiderseits am Schluss. Gerne hätte ich mich zu ihren Lippen vorgebeugt, konnte dem aber widerstehen. Wir, meine Tochter und ich, schauten ihr beim Rausgehen nach, packten unsere Sachen und gingen auch hinaus.
Ich ging durch die Tür, hob den Kopf und atmete tief ein. Es roch nach Frühling.

Der befürchtete Blues nach dem Treffen blieb aus. Ich dachte an dem Abend lange an uns, an damals. An die Bank auf dem Feldweg und an ihr kleines Zimmer damals unterm Dach. Und vor allem: An sie.
Ja, sie fehlt mir hier an meiner Seite. Und hin und wieder tut es verdammt weh. Aber ich gönne ihr alles, solange es gut ist für sie.

Treffen mit Kakao I: Theorie.

Er rückt vom Tisch ab, krallt sich mit den Fingern in die Tischplatte und hält den Blick weiterhin gesenkt. Sie sitzt ihm gegenüber und blickt ihn mit ihren großen, braunen Augen an.
“So stehen die Dinge nun einmal. Ich wünschte auch, es wäre anders. Vielleicht wird es irgendwann einmal tatsächlich anders – doch ich glaube nicht mehr daran. Seine Finger greifen nach dem kleinen Tütchen Zucker und spielen nervös damit. Unruhig lässt er es durch die Finger gleiten, hebt den Kopf und schaut ihr tief in die Augen. “Ich will gar nicht erst anfangen, dass das mit uns etwas besonderes gewesen ist…das weiß ich und ich glaube, Du weißt es ebenso. Doch darum geht es nicht, es ist im Grunde auch vollkommen egal.” Sie öffnet den Mund, setzt zum Sprechen an und beißt die Zähne dann doch zusammen.
“Es ist doch so,” sagt er mit leiser Stimme, “ich habe Dich nie vergessen. Ich trage all diese kostbaren Momente noch immer in mir rum. Es gab immer wieder Tage, Wochen, ja sogar Monate, in denen ich überzeugt war, alles vergessen zu haben. In denen ich mir war, ich wüsste nicht einmal mehr, wie Deine Stimme klang. Doch die Wahrheit ist: Die Erinnerung kommt immer wieder. Ich…” Er senkt den Blick, sucht händeringend nach den passenden Worten, blickt ihr in die Augen und hofft verzweifelt, dass sie seinem ungelenken Stammeln ein Ende setzen würde. Sie schaut ihn an, ihre rechte Hand greift nach der Tasse dampfenden Kakaos, führ sie aber nicht zum Mund.
Er setzt erneut an: “Was ich sagen will, ist: Ich liebe Dich!” Ihre Augen weiten sich. “Ich habe Dich damals geliebt”, führt er fort, “als wir beide noch die sechste Klasse besuchten. Okay, es war Liebe auf eine unglaublich ungelenke Art und Weise. Präpubertäres Gehabe. Klar. Aber ich erinner mich noch allzu gut an all die Briefe, die ich Dir damals schrieb. Und ich habe Dich damals geliebt, als wir beide den Konfirmandenunterricht besuchten.Von Neunzehnhundertneunundneunzig und die darauffolgenden sechs Jahre brauche ich, glaube ich zumindest, gar nicht sprechen. Erinnerst Du Dich an all die Streite, die wir zum Ende hin fast täglich hatten? Wie Du immer, wenn wir anschließend über uns sprachen sagtest, ich solle endlich meine rosarote Brille absetzen? Falls Du Recht hattest: Ist es nicht beachtlich, dass jemand sechs Jahre lang mit einer “rosaroten Brille”, wie Du es nanntest, rumläuft? Ich habe Dich vergöttert, das weißt Du. Vielleicht hast Du es auch vergessen, aber Du wusstest es auf jeden Fall mal. Ich…ich weiß auch gar nicht, worauf ich hinaus will. Was ich wohl sagen will, ist: Ich liebe Dich. Ich liebe Dich noch immer. Es ist nicht so, dass ich jeden Morgen aufwache und mich frage, wo Du bist. Nein, dafür bist Du zu lange weg. Aber immer wieder in den letzten acht Jahren kommen die Momente, in denen ich mit Tränen in den Augen an Dich und unsere Zeit denke. An denen ich die Kiste mit all den Erinnerungsstücken hervorhole, mit den Fingern drüberfahre und dann den Deckel anhebe, nur um für wenige Augenblicke in die Zeit einzutauchen, an der mein Herz noch immer hängt und wohl immer hängen wird. Ich liebe Dich und es tut weh, zu wissen, dass ich Dich verloren habe.
Ich würde Dich nicht bitten, zu mir zurückzukommen. Ich habe es damals versucht und versagt. Ich habe es so oft versucht. Ich bin ein schlechter Spieler, aber ich bin ein fairer Verlierer. Du sagtest stets, ich sei ein “so unglaublich anständiger” Mensch. Du hast das, was Du verdienst: Das Leben, dass Du Dir immer gewüsncht hast. Eine wundervolle Tochter, das Haus, den Ehemann. Ich habe verloren – ich habe Dich verloren – und mich in all den Jahren damit arrangiert. Doch jetzt, vollkommen ohne Hintergedanken und mit dem allergrößten Respekt vor Deinem Leben – ich gönne es Dir wirklich und freue mich so unglaublich für Dich – möchte ich Dir nur gesagt haben, wie die Dinge stehen. Wer Du für mich warst und immer sein wirst. Nur aus einem Grund: Damit Du es weißt.”
Tränen bilden sich in seinen Augenwinkeln. Sie hält noch immer die Tasse in ihrer rechten, ihr Zeigefinger klammert sich am Henkel. “Ich…” setzt sie an, doch er deutet mit einer winkenden Geste an, still zu sein.
“Bitte…”, flüstert er, “bitte sag nichts. Alles, was Du sagen würdest oder könntest, ganz egal was es auch sei, wäre etwas, was ich nicht hören möchte. Ich möchte nur, dass Du es weißt. Ohne Hoffnung. Ohne Hintergedanken. Und wenn es mal wieder kalt und bitter ist – und diese Momente wird es auch in Deinem Leben geben -, wenn Du Dich alleine oder ungeliebt fühlst, dann denke einfach daran, dass da draußen jemand ist, der Dich liebt und erfreue Dich an dem Gedanken. Du wirst niemals ungeliebt sein. Ist das nicht ein im Grunde schöner Gedanke?”

Er schiebt den Stuhl weiter vom Tisch, steht auf, blickt ihr ein letztes Mal in die braunen Augen und sagt: “Du bist eine besondere Frau. Ich hoffe, Du weißt das.” Er lächelt verzweifelt, dreht sich um und geht. Während er die Tür öffnet, spricht er leise zu sich selbst murmelnd: “Ich hoffe, er weiß das auch…”


So könnte es gelaufen sein, am letzten Samstag. So lief es in den Tagen zuvor immer wieder in meinem Kopf. Nur leider nicht in der Realität…oder: Zum Glück.

Einatmen. Ausatmen. Jacke an.

Ein letztes Mal tief durchatmen, die Jacke über die Schultern geschwungen und raus durch die Tür. Fingers crossed und über die Schwelle gesprungen. Man sieht sich dann auf der anderen Seite.

Geronimo!

In aller Freundschaft.

Ein wenig mehr als eine Woche und die Füße wippen unruhig hin und her. Wann war ich das letzte Mal so nervös? Zum Glück: Es gibt nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren. Ein Freundschaftsspiel. Die Front trifft sich im Mittelfeld. In aller Freundschaft.
Und plötzlich kommt einem die Frage in den Sinn, die Robin Scherbatsky schon so treffend stellte: “Wie begrüßt man sich? Umarmung wäre zu vertraut, Hand geben zu distanziert…” So viele Dinge, so viele Fragen, so viele Möglichkeiten. Und, zum Henker, was ziehe ich an?

Solang die Füße weiter wippen…

Die Angst in Dir II.

oder: Ich nehme alles zurück und hoffe das Gegenteil.

Also habe ich es doch gewagt. Also habe ich sie gefragt, ob wir uns nicht mal auf einen Kakao treffen wollen. Mehr als zwei Wochen Vorlaufzeit und sie sagte: “Ja.”
Der Samstag soll es sein. Aber ich soll sie dann doch bitte ein paar Tage vorher daran erinnern, damit sie es nicht vergisst. Klingt, als würde man sich ein Hintertürchen zum schnellen Abspringen offenlassen: “Oh, Mist, das habe ich ja jetzt ganz vergessen. Ne, da kann ich jetzt nicht mehr…”
Vielleicht sehe ich es aber auch nur zu negativ. Egal. Noch macht mein gottverdammtes ♥ Luftsprünge. Mal sehen, ob auf den Rausch die Ernüchterung folgt.

Weil sich das nicht ändern wird.

»Die Stille blieb und Du fehlst.
Erinnerungen brennen und Du fehlst.
Meine Augen geschlossen und Du fehlst.
Alles so kalt und Du fehlst.«
(-Leistungsgruppe Maulich, “Abschied von Vertrauten”)
 
 
Die Jahre ziehen dahin. Wie lange ist das mit uns schon her? Fast acht Jahre, Honey. Im Hintergrund läuft “I want you to want me” von Letters To Cleo. Welcher Film war das noch mal? Ach ja, 10 Dinge, die ich an Dir hasse. Wait a minute, aus welchem Jahr ist der Film gleich gewesen? Needless to say.
Ende des Monats habe ich fünf bis sechs Tage frei; ich beabsichtige, mit der Kleinen runter in die kleine Harzrandstadt zu fahren. Aber beabsichtige ich auch, Dir das vorher zu sagen? Ich weiß es nicht. Selbst wenn ich mich zweieinhalb Wochen vorher anmelden würde, ich bin mir sicher, Du fändest innerhalb dieser fünf Tage keine Zeit, Dich mit mir zu treffen. Und würdest hinterher sagen, wie leid es Dir täte, dass es wieder einmal nicht geklappt hat. Wie immer.
 
Dennoch, sagt man nicht: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt? Und hätte ich damals, vor ach so vielen Jahren gewonnen, wenn ich nicht gewagt hätte? Der Einsatz und mögliche Gewinn sind jetzt, in diesem Jahrtausend ungleich geringer. Warum also nicht wagen und unter Umständen 1 – 1,5 Stunden angenehme Unterhaltung gewinnen?
I still want you to want me. Weil sich das nicht ändern wird.

True story.

Auf ein Neues. Same procedure as every year.

Hey.
Erinnerst Du Dich an 1999? Natürlich tust Du das. Und alleine durch die Tatsache, dass Du damals volljährig wurdest und ich es so gut wie war, wird mir wieder einmal schmerzlich bewusst, wie verdammt alt wir doch geworden sind. Der Rücken schmerzt mittlerweile, die Lunge macht nicht mehr so mit wie früher. Die Zeit ist ein Dieb.

Aber zurück zum Thema: 1999. Was für ein Jahr. Ein ganzes Volk (nein, besser: die ganze Welt) war im Millenniumstaumel. Mir fallen spontan mindestens vier, fünf Songs ein, die alleine “Millennium” im Titel trugen. Aus der “1″ vor der vierstelligen Zahl, die wir so gut kannten, sollte eine “2″ werden. Ein einmaliges Erlebnis, das wussten wir. Das wussten alle und niemand wurde müde, es allen zu sagen. Ich werde – obwohl es nicht das einzige Silvester war, welches wir zusammen erlebten – nie vergessen. In unserer kleinen Stadt auf dem Marktplatz. Es war nicht eine Wolke am Himmel, es war nicht kalt und wir fielen uns in die Arme. Die Musik war gut, die Drinks noch besser. Später dann im kleinen Zimmer Deiner besten Freundin mit ihr und meinen (unglaublich beknackten) Nachbarn weitergefeiert. Es war ein guter und würdiger Abschluss eines unsagbar guten Jahres.
Wo sind eigentlich die Fotos von damals gelandet? Was ist aus ihnen geworden? Ich erinnere mich noch so gut an sie, sie befinden sich jedoch nicht in meiner kleinen (oder eher: mittelgroßen) Kiste. Hast Du sie mitgenommen, absichtlich oder versehentlich? Verrotten sie in einem nassen Keller oder auf einem zugigen Dachboden? Oder landeten sie damals auf dem Müll, sind mittlerweile recycelt und zu einer Tageszeitung oder einer Milchpackung geworden? Ich weiß es nicht, aber ich werde mir die Milchpackungen ab jetzt genauer anschauen. Vielleicht sehe ich darauf ja unser Bild…

Darüber hinaus: Alles Gute – auch wenn Du das hier (hoffentlich) nie lesen wirst. Rutsch gut rein, habe Spaß.
Mögen die Höhen Deines alten Jahres die Tiefen des neuen Jahres sein. Prost.